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Auf Tuchfühlung

Der meist verwendetet Baustoff im trockenen Innenausbau ist zweifelsohne der Gips in Form von Gipskarton oder als Zellstoff-Gipsplatte.

Die Aufgaben von Gipsausbauplatten und -putzen im Innenbereich sind vielseitig. Abgesehen von der Möglichkeit eine fugenlose streich- oder tapezierfertige Oberfläche herzustellen, reguliert diese dem Bewohner am nächsten liegende Wandebene, die Luftfeuchtigkeit und die Raumtemperatur durch seine Fähigkeit, beides zu speichern oder abzugeben. Sie ist wesentlicher Bestandteil des Brand- und Schallschutzes und nicht zuletzt der Luftdichtung bewohnter Gebäude.

Wir leben auf Tuchfühlung mit diesem Stoff, der seit 200 Millionen Jahren auf der Erde existiert. Es handelt sich dabei um eine Verbindung aus Calciumsulfat und Wasser. Durch Ablagerung in langsam austrocknenden Meeresbuchten entstanden die bis zu 70 m dicken Gesteinslagen z.B. im Südharz und in Baden-Württemberg.

Gips ist geruchsneutral und enthält keine für Lebewesen schädliche Stoffe. Das gilt auch für die aus ihm hergestellten Produkte.

Die natürlichen Vorkommen decken in Deutschland allerdings nur etwa die Hälfte des Bedarfs. Die andere Hälfte ist der sogenannte REA-Gips, der bei der Rauchgasentschwefelung in Kohlekraftwerken als Verbindung von Kalk und Schwefeldioxid entsteht. Allerdings wird auch der vollkommen schadstofffreie REA-Gips von Baubiologen als empfehlenswerter Baustoff eingestuft, zumal durch seine Verwendung die Entstehung großer Deponien verhindert wird.

Noch ein Wort zum Thema fugenlos. Auch bei Einhaltung sämtlicher Verarbeitungsrichtlinien und der Verwendung zertifizierter genormter Gipsprodukte lässt sich vor allem bei streichfertigen, nicht tapezierten Flächen, eine leichte Fugenbildung in den Ecken kaum vermeiden. Diese Schwundrisse können nach der ersten Heizperiode noch einmal überarbeitet werden, wenn sich das Auge nicht schon an sie gewöhnt hat.